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Letzte Änderung:
05. April 2016

Kult um einen Hut

Kult um einen Hut - Der "Goldene Hut" von Schifferstadt

 

Am 29. April 1835 machte der Taglöhner Jakob Geimer auf dem Acker des Bauern und Glasers Joseph Eckrich eine bedeutende Entdeckung: Beim Umgraben des Bodens fand er in der Gewanne "Reuschlache" im Norden der Schifferstadter Gemarkung einen Kegel aus Goldblech, der wie ein Hut aussah. Spontan bĂŒrgerte sich dafĂŒr schon sehr bald die Bezeichnung "Goldener Hut" ein, wobei lange Zeit gar nicht fest stand, ob es sich dabei tatsĂ€chlich um eine Kopfbedeckung gehandelt hat. Die Bezeichnung hat sich jetzt, nach 170 Jahren, als wahrscheinlich richtig erwiesen.

      Der "Goldene Hut von Schifferstadt", erster Fund in einer ganzen Reihe solcher kegelförmiger Goldobjekte, wurde in der Forschung lange Jahre neutral als "bronzezeitlicher Goldblechkegel" bezeichnet. Es wurden allerlei Vermutungen angestellt, welchem Zweck sie gedient haben könnten. Manche waren sich sicher, dass es sich dabei um Teile von RĂŒstungen gehandelt haben muss, andere vermuteten, sie hĂ€tten als Vase, Opferschale oder Pfahlbekrönung gedient. Neue Studien, auch anhand der anderen zwischenzeitlich gefundenen Goldblechkegel, haben nun ergeben, dass es mit großer Wahrscheinlichkeit tatsĂ€chlich Kopfbedeckungen waren.   

Die Datierung solcher Funde ist nicht einfach und gelang beim Schifferstadter Goldhut nur mit Hilfe der 3 Beilklingen, die zusammen mit dem Hut gefunden wurden. Er ist demnach wohl noch vor dem 14. Jahrhundert, aber nicht spĂ€ter als im 13. Jahrhundert vor Christus entstanden und somit mindestens 3000 Jahre alt. Das war noch rund 500 Jahre vor der GrĂŒndung Roms und zu Zeiten, als der Ă€gyptische König Tutanchamun regierte.

Nach neuesten Forschungen handelt es sich bei den Goldblechkegeln um eines der bedeutendsten ReligionsdenkmĂ€ler der europĂ€ischen Bronzezeit. Bisher wurden nur vier StĂŒck gefunden, von denen der Schifferstadter Hut der Ă€lteste ist. Er ist 29,5 cm hoch, wiegt 350,5 g und ist mit einer WandstĂ€rke von 0,20 bis 0,25 mm nahtlos aus einem Goldbarren getrieben. Die Krempe war ursprĂŒnglich schmĂ€ler und wurde dann bei nur noch 0,08 bis 0,13 mm BlechstĂ€rke verbreitert. Die Ornamente zeigen zwischen horizontal umlaufenden Rippen und BĂ€ndern Kreisscheiben-, Ovalbuckel- und Rundbuckelmuster. UrsprĂŒnglich waren die Goldkegel innen gefĂŒttert und das Schifferstadter Exemplar hatte sogar einen Kinnriemen. Das Original befindet sich im Historischen Museum der Pfalz in Speyer, eine Kopie ist im Heimatmuseum zu sehen.

Der Hut diente zu seiner Zeit als Zeremonialhut religiösen Zwecken. Gleiches gilt fĂŒr die anderen gefundenen HĂŒte, die in Form und Material verschieden sind und in der Bronzezeit in Europa verbreitet waren.

Möglicherweise ist in den Ornamenten ein komplexes kalendarisches Zahlenwerk verborgen, das noch seiner EntschlĂŒsselung harrt. Die goldenen HĂŒte waren wohl Symbol dafĂŒr, dass ihre TrĂ€ger ĂŒber Himmel, Erde und Zeit Bescheid wussten, mit den Göttern verbunden waren und so in gewisser Weise Sorge tragen konnten fĂŒr die bestehende Ordnung. TrĂ€ger der HĂŒte dĂŒrften ReprĂ€sentanten geistlicher Macht gewesen sein, die durchaus auch eigenen weltlichen Besitz hatten, aber aufgrund ihrer FĂ€higkeiten oder der Familientradition zu Priestern aufgestiegen waren. Nur wenn das Wissen um die Ordnung von Welt und Zeit auch mit großem materiellem Vermögen zusammen traf, dĂŒrfte die Möglichkeit bestanden haben, einen solchen Goldhut anfertigen zu lassen und sich mit ihm zu krönen.

Die neuesten, allerdings noch lĂŒckenhaften Forschungsergebnisse zeigen aber auch: Zwischen dem 14. und 8. Jahrhundert vor Christus wurde zwischen Bayern und England eine Religion ausgeĂŒbt, von der bisher niemand etwas wusste. Und Schifferstadt war mitten drin..

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